Filmkunstfest MV
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4. Schweriner Architekturfilmtage präsentierten ‚Oscar‘-Gewinner „Parasite“

Open Air-Vorführung im Garten des Schleswig-Holstein-Hauses

Aufgrund der Corona-Pandemie fanden die Schweriner Architekturfilmtage in diesem Jahr als vorgezogene Open Air-Veranstaltung und nur an einem Tag statt, nämlich am Sonntag, den 23. August, im Garten des Kulturforum Schleswig-Holstein-Haus. Veranstalter waren die LGE Mecklenburg-Vorpommern GmbH, die FILMLAND MV gGmbH, die Kammergruppe Schwerin der Architektenkammer Mecklenburg-Vorpommern und die Landeshauptstadt Schwerin.

Pünktlich zur Aufführung des vierfachen ‚Oscar‘-Gewinners „Parasite“ im Rahmen der Schweriner Architekturfilmtage am 23. August hatte das Schauerwetter aufgehört, sodass die über 130 Zuschauer im Garten des Kulturforums Schleswig-Holstein-Hauses trocken blieben und das Filmgespräch und den Film ungestört genießen konnten.

Einer der hochkarätigen Gäste des aufschlussreichen Filmgesprächs vor der Aufführung war die Berliner Szenenbildnerin Silke Buhr (Mitte rechts), die als bisher einzige Filmschaffende mit stolzen vier Deutschen Filmpreisen ausgezeichnet wurde, unter anderem 2006 für ihre Mitwirkung am Kinofilm "Das Leben der Anderen" und 2010 am Spielfilm "Poll", worüber sie den 170 Besuchern im Gespräch mit Max-Peter Heyne (Mitte links) von der FILMLAND MV berichtete.
Der Schweriner Architekt Markus Gericke (links) berichtete über das neueste Projekt seines Architekturbüros zwei²Werk-Architekten: das "Westport"-Bürogebäude in Wismar, das in einigen Monaten fertig gestellt werden wird. Der künstlerische Leiter des FILMKUNSTFESTs MV, Volker Kufahl (rechts), berichtete über die Filmografie des südkoreanischen Regisseurs Bong Joon-Ho und was "Parasite" als Genre-Mix so außergewöhnlich macht.

Dem Regisseur gelang mit „Parasite“ eine brillante Gesellschaftskritik über die Gräben zwischen Arm und Reich vor dem Hintergrund der Globalisierung, eine scharfe Satire mit schwarzem Humor und Lust an der radikalen Zuspitzung der Verhältnisse – erzählt in spektakulären Bildern. „Parasite“ gewann im vergangenen Jahr die Goldene Palme des Festivals in Cannes sowie im Anschluss drei Dutzend internationale Filmpreise , darunter erstmals in der Geschichte der ‚Academy Awards‘ sowohl den ‚Oscar‘ als bester Film, als bester nicht-englischsprachiger Film, für die beste Regie und das beste Drehbuch.

Teilnehmer/innen des Filmgespräch zu „Parasite“ waren: Szenenbildnerin Silke Buhr (Bild links), Architekt Markus Gericke (Zwei² Werk Architekturbüro, Schwerin) und Volker Kufahl, Geschäftsführer der FILMLAND MV.

Silke Buhr ist Mitglied der Deutschen Filmakademie und wurde für ihre Arbeit als Szenenbildnerin mehrfach preisgekrönt. Sie ist derzeit die einzige vierfache Preisträgerin des Deutschen Filmpreis - LOLA für das Beste Szenenbild! Sie erhielt die höchste Auszeichnung, die in Deutschland für Film vergeben wird, für ihre Arbeit bei den Kinofilmen "Das Leben der Anderen" (2006), "Poll" (2011), "Who Am I - kein System ist sicher" (2016) und "Berlin Alexanderplatz" (2020).

Markus Gericke ist langjährig als Architekt mit seinem Schweriner Büro zwei²Werk-Architekten in Mecklenburg-Vorpommern und darüber hinaus tätig. Anlässlich des Landesbaupreises M-V 2019 hat er mit dem Neubau eines Mehrfamilienhauses in der Schäferstraße in Schwerin eine besondere Anerkennung erhalten.

Volker Kufahl ist Geschäftsführer der FILMLAND MV gGmbH, die unter anderem das renommierte FILMKUNSTFEST MV in der Landeshauptstadt Schwerin organisiert.

Moderator war Max-Peter Heyne.

Der Film: Familie Kim ist ganz unten angekommen: Vater, Mutter, Sohn und Tochter hausen in einem grünlich-schummrigen Keller, kriechen für kostenloses W-LAN in jeden Winkel und sind sich für keinen Aushilfsjob zu schade. Erst als der Jüngste eine Anstellung als Nachhilfelehrer in der todschicken Villa der Familie Park antritt, steigen die Kims ein ins Karussell der Klassenkämpfe. Mit findigen Tricksereien, bemerkenswertem Talent und großem Mannschaftsgeist gelingt es ihnen, die bisherigen Bediensteten der Familie Park nach und nach loszuwerden. Bald schon sind die Kims unverzichtbar für ihre neuen Herrschaften. Doch dann löst ein unerwarteter Zwischenfall eine Kette von Ereignissen aus, die so unvorhersehbar wie unfassbar sind.

Zur optischen Raffinesse des Films trägt die eigens für den Film entworfene Villa bei, in der ein Großteil der Handlung spielt, die aber kein reales Gebäude ist, sondern lediglich ein Filmset. Der Filmausstatter Lee Ha Jun und Regisseur Bong Joon-Ho entwarfen sie als „eigenes Universum innerhalb des Filmes“, die bei perfektem Lichteinfall offene Räume für Kamerafahrten als auch Verschachtelungen für die Filmszenen erlaubte. Zum Beispiel wurde im Wohnzimmer eine riesige Panoramascheibe als Verbindung zwischen Haus und Terrasse installiert, die gleichzeitig Innen- und Außenaufnahmen erlaubte.

Filmbilder © Koch Films. Porträt Silke Buhr © Annette Koroll


Rückblick: Rege Diskussionen bei den 3. Schweriner Architektur-Filmtagen

Das Filmprogramm zum Thema „Architektur und Licht“ sorgte bei den zahlreichen Zuschauern der dritten Schweriner Architekturfilmtage am 23./24.11. für rege Diskussionen. Vor allem das Filmgespräch mit Belinda Rukschcio von der Bundesstiftung Baukultur, Christoph Meyn, Präsident der Architektenkammer M-V, und Kameramann und Regisseur Michael Kockot nach der Aufführung des Dokumentarfilms „Renzo Piano – Architekt des Lichts“ vom spanischen Altmeister Carlos Saura (geb. 1932) fiel ausgesprochen lebendig aus. An die filmische Darstellung von der Planung und Durchführung eines Piano-Bauprojekts im nordspanischen Santander knüpften sich allgemeine Fragen, so z.B., was „gute Architektur“ ausmacht und ob dies objektiv zu beschreiben sei, aber auch inwieweit städteplanerische Entscheidungen demokratisch sein können oder sollen und welchen Anforderungen Architekten heutzutage ausgesetzt sind.

Unter der versierten Moderation von NDR-Kulturredakteur Frank Breuner erörterten die Experten die Probleme, die der Film von Carlos Saura verhandelte, auch in Bezug auf Bauprojekte in Mecklenburg-Vorpommern. Denn wie in Santander stellt sich auch in vielen Städten unseres Bundeslandes, wie mit Hafenvierteln stadtplanerisch umgegangen werden soll, wenn die Häfen ihre jahrhundertelange, wirtschaftliche Funktion verlieren. 

Einen anregenden Filmabend gab es schon einen Tag zuvor, als der Hamburger Regisseur Marcus Fischötter über die komplexe Entstehung seines Films „Norddeutschland bei Nacht“ berichtete, der unter anderem auch Schwerin, Rostock, Stralsund und die Insel Rügen bei nächtlicher Beleuchtung von oben zeigte. Die Filmaufnahmen entstanden bei Helikopter- und Drohnenflügen mit lichtempfindlichen Spezialkameras, wobei die Zuschauer auch lernten, wie einige mecklenburgische Kommunen die Finsternis und den klaren Blick aufs Firmament touristisch und wissenschaftlich für sich nutzen wollen. Zum neuen Dokumentarfilm des Schweizer Regisseurs Christoph Schaub über die „Architektur der Unendlichkeit“, d.h. moderne und historische Sakralbauten, fand ein interessantes Filmgespräch mit Dom-Pastor Volker Mischok aus Schwerin statt.

In der aktuellen Produktion des Regie-Duos Ila Bêka und Louise Lemoine ging es auf humorvolle Weise um alltägliche Herausforderungen im Maison à Bordeaux von Rem Koolhaas, „Koolhaas Houselife“.