FILMLAND MV

35. FILMKUNSTFEST MV: Ein Weltstar, viele Isländer & Fischsuppe in Schwerin 

Volle Kinosäle, über 18.000 Besucher, begeisterte Filmschaffende, viele emotionale Höhepunkte, ein glücklicher Veranstalter FILMLAND MV: Das FILMKUNSTFEST MV 2026!

Festivalleiter Volker Kufahl:„Das 35. Filmkunstfest MV markiert einen Höhepunkt in der Geschichte des 1991 gegründeten Festivals. Es hat sich als weltoffene, empathische, mitreißende Kulturveranstaltung mit einem hohen künstlerischen Anspruch für ein breites Publikum von seiner besten Seite gezeigt. Nicht nur der Ehrenpreisträger Armin Mueller-Stahl, auch das Wettbewerbsprogramm bis hin zum Gastland Island haben für begeisterte Reaktionen und volle Kinosäle gesorgt. Es hätte nicht besser laufen können.“

Das 35. FILMKUNSTFEST MV bot vom 5. bis 10. Mai 120 Filmaufführungen sowie ein umfassendes Begleitprogramm aus Filmgesprächen, Ausstellungen, Lesungen, Konzerten, den erstmals veranstalteten Branchentagen MV sowie sogar - als Beispiel für das Island-Eventprogramm - einem Kurs zum Herstellen von isländischem Moos-Kräuterpulver!

Bereits der Eröffnungsfilm hatte sich als Heimspiel für den Mecklenburger Lokalmatador Dieter Schumann erwiesen. Die Uraufführung seines in dem Schweriner Neubaugebiet Großer Dreesch gefilmten Dokumentarfilms GARTEN DER HOFFNUNG wurde vom Festivalpublikum mit Begeisterung aufgenommen. Der Film, der im Dokumentarfilmwettbewerb lief, wurde mit dem WIR-Vielfaltspreis ausgezeichnet. Schumann löste am Samstag dann ein Versprechen ein  und bewirtete die Gäste des traditionellen Filmemacherfrühstücks mit seiner legendären Fischsuppe.

Das Gastland Island sorgte für viele ausverkaufte Vorstellungen und Begeisterung beim Schweriner Publikum, darunter das Road Movie TOP 10 MUST. Bei einem Q&A drehte Hauptdarstellerin Helga Braga Jónsdóttir ein kurzes Video mit dem Publikum, das in Anspielung an ein Bonmot im Film begeistert „Wow, that’s amazing!“ rief. Isländische Filmschaffende standen nach den Filmvorführungen in Gesprächen Rede und Antwort, darunter Regisseur Jón Einarsson Gústafsson, der erzählte, wie die Hauptdarsteller*innen seines Films ANORGASMIA auch privat zueinander gefunden hätten, oder Ugla Hauksdóttir, die die deutsche Erstaufführung ihres isländischen Kassenschlagers THE FIRESpräsentierte. Die Veranstaltungen rund um das Gastland umfassten die Open-Air-Vorstellung des Dokumentarfilms POEMS, die Aufführung des Stummfilms DIE LEUTE AUF BORG (1920), Fotoausstellungen, Reisereportagen und ein breites Rahmenprogramm.

Der Höhepunkt des Samstagabends war die Verleihung des Goldenen Ochsen an den Ehrenpreisträger Armin Mueller-Stahl durch die Schirmherrin des Festivals, Ministerpräsidentin Manuela Schwesig und den Festivalchef Volker Kufahl. Zuvor hatte Björn Engholm, enger Freund Mueller-Stahls und ehemaliger Ministerpräsident von Schleswig-Holstein, den großen Schauspieler in seiner Laudatio gewürdigt. Er schilderte, wie er Mueller-Stahl zum ersten Mal Anfang der 1960er Jahre auf der Leinwand gesehen habe – in FÜNF PATRONENHÜLSEN von Frank Beyer. Von dem Spiel des ihm damals unbekannten Mimen beeindruckt, beschloss er, „dem Typen auf der Spur zu bleiben“. Engholm ging auf die größten Filmerfolge Mueller-Stahls in der DDR, der Bundesrepublik und in Hollywood ein und auf dessen Körperlichkeit: Haltung, Mimik, seine stets wiedererkennbare Stimme. Humorvoll zeigte er Parallelen zwischen Mueller-Stahl und dem Ehrenpreis des Festivals, dem „Vieh“ des Ochsen auf: Kraft, Ausdauer und (ostpreußische) Sturheit. Der Laudator schloss seine Rede als Verbeugung vor dem großen Künstler mit dem Ausruf: „Respekt!“ Mit einer Standing Ovation feierte das Schweriner Publikum im Capitol Filmpalast den Ausnahmekünstler Armin Mueller-Stahl, der in seiner Dankesrede mit Charme, Witz und ein wenig Nostalgie reagierte. Er wandte sich zunächst ironisch an seinen Festredner: „Du hast sehr gute Sachen über mich gesagt. Ich bin bemüht, so zu werden, wie du mich beschrieben hast.“
Müller-Stahl gab seinem Bedauern darüber Ausdruck, aus dem von Engholm erwähnten DEFA-Klassiker FÜNF PATRONENHÜLSEN der einzige noch lebende Schauspieler zu sein – seine Kollegen Geschonneck, Krug, Thein und Marian seien nicht mehr da. Er kündigte an, dass er bis zu seinem 96. Geburtstag Ende des Jahres noch etwas vorhabe und hoffe, es erledigen zu können. Er resümierte, dass er in seiner Karriere viele „Strolche, aber auch sympathische Leute“ gespielt habe, würdigte seinen ihm liebsten US-Kollegen Jack Lemmon und die vielen jüdischen Künstler, die ihm in seiner Karriere weitergeholfen hätten. In Hollywood sei man ihm immer freundlicher begegnet als hierzulande. Über die Ehrung auf dem „schönen Filmfestival“ in Schwerin, das ihm „zur rechten Zeit“ den Preis für sein Lebenswerk verleihe, zeigte er sich sichtlich erfreut und dankbar.

Der „Fliegende Ochse“ ging an OUR GIRLS von Regisseur Mike van Diem. Er gewann damit den Hauptpreis im Spielfilmwettbewerb des 35. FILMKUNSTFEST MV, der mit 10.000 Euro dotiert ist und von der Landesregierung Mecklenburg-Vorpommerns gestiftet wird. Der niederländische Filmemacher und Oscar-Preisträger, der zugleich den mit 3.000 Euro dotierten Publikumspreis mitnahm, sprach auf der Bühne bewegt von einem „Doppelsieg“ und hoffte, dass ihm der Erfolg beim Filmkunstfest zu einem deutschen Verleih verhelfen werde.

Der österreichisch-ägyptische, in den USA lebende Regisseur Abu Bakr Shawky erhielt für THE STORIES den NDR-Regiepreis. Den mit 5.000 Euro dotierten und vom Norddeutschen Rundfunk (NDR) gestifteten Preis nahmen seine Eltern entgegen, deren Lebensgeschichte der Film schildert. Der Filmemacher sprach sich für mehr internationale Filmprojekte mit Ägypten aus.

Die britische Schauspielerin Mia Tharia erhielt den Nachwuchspreis für die Beste darstellerische Leistung in  EINE SCHULE FÜR JANE CUMMING (Regie: Sophie Heldman) im Spielfilmwettbewerb. Der Preis ist dotiert mit 2.500 Euro und wird von den Stadtwerken Schwerin gestiftet.

Die junge Schauspielerin Chen Emilie Yan erhielt für ihre Verkörperung einer Staatsanwältin in STAATSSCHUTZ den Preis für die Beste darstellerische Leistung im Spielfilmwettbewerb. Den mit 3.500 Euro dotierten, von LOTTO Mecklenburg-Vorpommern gestifteten Preis nahm sie persönlich entgegen. Es sei das erste Mal, dass sie einen Preis gewinne, sagte die Schauspielerin und schloss ihre Dankesrede mit den Worten: „Man kann die Welt nicht verändern, aber dafür sorgen, dass Menschen nicht sagen können: ‚Davon habe ich nichts gewusst.‘‘

An den in der italienischsprachigen Schweiz spielenden Spielfilm BECAÀRIA von Erik Bernasconi (deutsche Erstaufführung) ging der Preis der deutschsprachigen FIPRESCI-Jury. Die Kritiker übergaben dem Regisseur und den beiden Hauptdarsteller*innen Francesco Tozzi und Sinéad Thornhill die Urkunde.

Den mit 5.000 Euro dotierten Preis für den Besten Dokumentarfilm im Wettbewerb nahm Lena Karbe für INNERE EMIGRANTEN (deutsche Erstaufführung) entgegen. Die Regisseurin, die ihren Film über Betreiber*innen einer anonymen Telefonhotline in Moskau unter strenger Geheimhaltung gedreht hatte, betonte, dass sie 2022, nach Ausbruch des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine, gefühlt habe, diesen Film einfach drehen zu müssen: „Ich hatte nicht die Wahl.“ Den mit 2.500 Euro dotierten Preis für die Beste Bildgestaltung im Dokumentarfilmwettbewerb erhielt Tobias Nölle für TRISTAN FOREVER. Er gab an, das Preisgeld in seinen bevorstehenden Vaterschaftsurlaub investieren zu wollen.
Beide Preise wurden von der  Sparkasse Mecklenburg-Schwerin gestiftet.

Den von der MV Filmförderung GmbH und der MV Film Commission gestifteten, mit 5.000 Euro dotierten Förderpreis „Gedreht in MV“ erhielt NO GOOD MEN von Shahrbanoo Sadat. Die im Iran und in Afghanistan aufgewachsene Filmemacherin erzählte, wie sie vor fünf Jahren nach Deutschland gekommen sei. Sie zeigte sich zuversichtlich, dass sie “überall Filme machen“ könne, nachdem es ihr gelungen sei, einen Film über Afghanistan in MV zu drehen.

Im Kurzfilmwettbewerb erhielt das Regisseur*innenduo Tom und Andrea Salt eine lobende Erwähnung für EINE DEUTSCHE FAMILIE.

Der mit 4.000 Euro dotierte und von der Landeshauptstadt Schwerin gestifetete Preis für den Besten Kurzfilm des Wettbewerbs ging an LIQUOR von Yi-Chen Huang.

HEUTE HEISSEN ALLE SORRY wurde von der Jugendjury als Bester Film im Kinder- & Jugendfilmwettbewerbausgezeichnet. Stellvertretend für die Regisseurin Frederike Migom nahm die Produzentin und die Hauptdarstellerin Lisa Vanhemelrijck den LEO-Preis entgegen. Schröter machte sich für Kinder stark: „Sie brauchen Verständnis. Deshalb brauchen wir mehr solcher Filme.“

Über 130 Filmschaffende aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und Island kamen nach Schwerin. Die rbb-Moderatorin Marion Brasch gab ihren Einstand als Moderatorin der abendlichen Late Night Talks.

Höhepunkte der Sonderveranstaltungen waren das ausverkaufte Konzert „Es gibt Tage...“ der Armin Mueller-Stahl Band, bestehend aus Günther Fischer, Tom Götze und Tobias Morgenstern, sowie das Werkstattgespräch des Ehrenpreisträgers mit Knut Elstermann. 

Das FILMKUNSTFEST MV als Branchentreff

 

Erstmals fanden in diesem Jahr die Branchentage MV auf dem FILMKUNSTFEST MV statt. Statt der bisherigen eintägigen Branchenkonferenz gab es vom 6. bis 9. Mai ein breit gefächertes Veranstaltungsprogramm mit Panels und einem Workshop für Filmschaffende und das interessierte Fachpublikum.

Diskutiert wurden Themen wie Koproduktionen im deutschsprachigen Raum, Arbeitsbedingungen in der Filmbranche, Kinos und Festivals als demokratische Räume, die Auswertung von Filmen und der Zugang zu Filmarchiven.

Zu den Gästen der Branchentage MV zählten Helge Albers, Geschäftsführer der MOIN Filmförderung, Svenja Böttger, Leiterin des Filmfestivals Max Ophüls Preis, Torsten Frehse, Geschäftsführer des Neue Visionen Filmverleihs, NDR-Redakteur Timo Großpietsch, Leopold Grün, Geschäftsführer von Vision Kino, sowie Regisseur Dieter Schumann.

Die Diskussionen werden ab dem 20. Mai online gestellt und können dann auf filmkunstfest.de/programm/branchentage-2026 angesehen werden.

Foto: © Isabell Reisberg, FILMLAND MV