Filmkunstfest MV
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Dokumentarfilmwettbewerb 2018

D 2017, 78' | Regie: CHRISTINE SCHÄFER

Eine Tasse. Ein ebenso simpler wie alltäglicher Gegenstand. Doch auch in der Herstellung einer Tasse steckt Arbeit, die sich in der globalisierten Welt verändert: Arbeit, die keiner mehr machen möchte. Arbeit, die wegrationalisiert wird. Und Arbeit, die sich nicht mehr lohnt. Fließbandarbeiterinnen, Keramiker und Baggerfahrer eines Tontagebaus erzählen von ihrer Haltung und Liebe zur eigenen Arbeit – der Tassenherstellung.

D 2017, 90' | Regie: SIMONE CATHARINA GAUL

Dem ostdeutschen Dorf Golzow – berühmt für das Langzeit-Filmprojekt DIE KINDER VON GOLZOW – gehen die Kinder aus. Der Bürgermeister hat eine Idee: Flüchtlingsfamilien sollen ins Dorf ziehen. Also kommen Halima und Fadi mit ihren Kindern nach Golzow. Sie fühlen sich wohl, aber spüren, dass die Stimmung im Dorf je nach Nachrichtenlage schwankt. Und der Unterschied zwischen ihrem Leben in einer syrischen Großstadt und dem in einem überalterten ostdeutschen Dorf könnte größer kaum sein.

D 2018, 90' | Regie: MARITA STOCKER

Qing hat ihre Heimat China noch nie verlassen und will die Welt sehen. Eine dreijährige Ausbildung zur Altenpflegerin in Deutschland klingt verlockend, doch im tiefsten Schwarzwald prallen Welten aufeinander. Während Qing noch mit den Käsebroten hadert, erwartet ihr Arbeitgeber schnelle Integration. Für die Senioren wird das ‚flinke Chinesamädle’ zur willkommenen Abwechslung im Heimalltag, doch für Qing wird die neue Kultur, der Lernstress und das Heimweh zu einer Belastungsprobe.

D 2017, 79' | Regie: EMERSON CULURGIONI, JONAS MATAUSCHEK | DEUTSCHLANDPREMIERE

Im ehemaligen Tagebau Geiseltal entstand nach dem Zerfall der DDR durch Flutung der größte künstliche See Deutschlands. Reinhard Hirsch blickt von seiner Laube auf die Stelle im See, wo einst das Haus seiner Großeltern stand. Nahe des Sees wartet der Nigerianer Ganiyou Idriss auf den Ausgang seines Asylverfahrens. In der ehemaligen Bergmannssiedlung bemüht sich der kurdische Poet Farhan Kalasch, seine Frau und Kinder nach Deutschland zu holen. Ein Heimatfilm – nur für wen?

CH 2017, 93' | Regie: ROBERT MÜLLER

In schweren Gummistiefeln steigt Fränz Röösli auf den vier Meter hohen Kohlemeiler und sticht Löcher in den „Grind“, wie er die Kuppel seines Meilers nennt. Weißer Rauch entweicht aus dem Inneren, umspielt den Köhler nach den Launen des Windes und verschwindet in die schwarze Nacht. Das Handwerk der Holzköhlerei ist in ganz Westeuropa nur noch im Luzerner Entlebuch lebendig geblieben. Ein faszinierender Einblick in eine archaische Welt.

D 2017, 130' | Regie: LUTZ PEHNERT, MATTHIAS EHLERT, ADAMA ULRICH

Als Regisseur und Intendant hat Frank Castorf die Berliner Volksbühne seit den 1990er Jahren zu einem Ort des Aufbruchs und der Avantgarde werden lassen. PARTISAN begleitet Castorf bei seiner Abschiedsinszenierung an der Volksbühne, dem „Faust“, und wirft einen Blick in den Maschinenraum dieser Theaterfabrik. PARTISAN ist eine Hommage an ein Theater und sein Team, das nun Vergangenheit ist, aber als kraftvolles Beispiel für ästhetischen Eigensinn noch lange nachwirken wird.

D 2018, 89' | Regie: ESTHER ZIMMERING

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges trennten sich die Lebenswege der jüdisch-deutschen Familie Zimmering und beide Zweige wirkten maßgeblich an der Gründung zweier Staaten mit: der DDR und Israel. Filmemacherin Esther Zimmering begibt sich auf Spurensuche der unterschiedlichen Familienzweige und schaut, was von den Idealen, für die ihre Vorfahren gekämpft haben, an die nächsten Generationen weitergeben wurde.

D/LI 2017, 85' | Regie: ZIAD KALTHOUM

In den strahlend blauen Himmel über Beirut wachsen neue Wolkenkratzer mit Traumblick auf das Mittelmeer. Errichtet werden sie von syrischen Bauarbeitern, deren eigene Häuser zur gleichen Zeit aufgrund des Krieges in Syrien zerstört werden. Nach Feierabend gilt für sie eine Ausgangssperre und so steigen die Bauarbeiter in das Innere der Zementriesen hinab und verbringen zusammengepfercht im Keller der Betongiganten die Nächte. Ein bildgewaltiger und emotionaler Blick auf das Leben im Exil.

D/BR 201, 88' | Regie: HANS BLOCK, MORITZ RIESEWIECK

Soziale Netzwerke sind fester Bestandteil unseres Alltags, doch hinter Katzenvideos und Emojis steckt eine Schattenindustrie: In Manila löschen tausende „Content Moderatoren“ täglich verstörende Aufnahmen, Bilder und Texte. In einem streng kontrollierten Umfeld entscheiden sie, was verbreitet werden darf. THE CLEANERS erzählt von der Belastung dieser traumatisierenden Arbeit und stellt die drängende Frage nach den Grenzen des Einflusses von Facebook & Co auf unsere Gesellschaft.

A 2018, 93' | Regie: RUTH BECKERMANN

1986 wurden im Wahlkampf des ehemaligen UN-Generalsekretärs Kurt Waldheim um das Amt des österreichischen Bundespräsidenten Lücken in seiner Kriegsbiografie aufgedeckt. In Österreich führte dies zu nationalem Schulterschluss und antisemitischen Ausschreitungen. Mittels Archivmaterial analysiert der Film den Zusammenbruch der österreichischen Lebenslüge, Opfer der Nazis gewesen zu sein, und zeigt die Mobilisierung hetzerischer Gefühle. Dokumentarfilmpreis Berlinale 2018.