Filmkunstfest MV
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Hübchen, „Styx“ und Georgien in Schwerin gefeiert

FILMKUNSTFEST MV zählt rund 17.000 Besucher –
Regisseur Dani Levy: „Ein Festival, auf das die Schweriner stolz sein können“

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Liste der Preisträgerfilme

 

Bei strahlendem Sonnenschein in der Landeshauptstadt Schwerin zählte die 28. Ausgabe des FILMKUNSTFESTs Mecklenburg-Vorpommern rund 17.000 Besucher (Rekordjahr 2017: 18.000). Damit pendelte sich die Nachfrage auf dem hohen Niveau der vergangenen drei Jahre ein.

„Die guten Zahlen sprechen für sich“, sagte Ministerpräsidentin Manuela Schwesig bei der Preisverleihung am Samstagabend und rühmte neben dem spannenden Einblick in das diesjährige Gastland Georgien den „bewegenden“ Eröffnungsfilm STYX von Regisseur Wolfgang Fischer. Die Ministerpräsidentin dankte dem künstlerischen Leiter Volker Kufahl „für den Mut, diesen Film als Eröffnungsfilm ausgewählt“ zu haben.

Tatsächlich war der deutsch-österreichische Wettbewerbsbeitrag um eine Notärztin (gespielt von Susanne Wolff), die auf hoher See mit einem Flüchtlingsdrama konfrontiert wird, der große Gewinner der Preisverleihung: STYX erhielt den Hauptpreis des Festivals, den von der Staatskanzlei Mecklenburg-Vorpommerns mit 10.000 Euro dotierten „Fliegenden Ochsen“, den von der Schweriner Volkszeitung gestifteten Publikumspreis in Höhe von 2.500 Euro und für die beste Musik- und Tongestaltung Sachleistungen im Wert von 4.000 Euro von Studio Mitte und Steinberg Media Technologies GmbH.

Der österreichische Regisseur Wolfgang Fischer nahm die Preise persönlich entgegen und zeigte sich „gerührt und überrascht“. Er kündigte an, einen Teil des Preisgeldes für das Projekt „One Fine Day“ seines Kollegen Tom Tykwer und Marie Steinmann-Tykwer zugunsten der Förderung der Kreativität von Kindern in den Slums der kenianischen Hauptstadt Nairobi zu spenden. Über das Projekt fand Fischer auch seinen jungen Hauptdarsteller Gedion Odour Wekesa.

Hübchen selbst betonte, sein Lebenswerk sei noch keinesfalls abgeschlossen, aber er freue sich, mit zunehmenden Alter „zum Preisochsen aufzusteigen“. Die Auszeichnung Goldener Ochse nehme er gerne an, dokumentiere sie doch, dass Schauspieler wie andere Künstler „Werke erschaffen könnten“. Mit seiner unkomplizierten und heiteren Art gewann Hübchen bei der Preisverleihung, aber auch bei diversen Publikumsgesprächen im Rahmen der Hommage die Herzen des Schweriner Publikums. Umgekehrt fühlte sich Hübchen zwischen den – oft weiblichen – Filmfans wohl.

Weitere Festivalgäste waren u.a. Schauspielerin Barbara Auer, die im Spielfilmwettbewerb das Ehedrama VAKUUM vorstellte, Andreas Kleinert mit seiner Uraufführung SPÄTWERK, Jörg Schüttauf (13 UHR MITTAGS im NDR-Spezial) oder die Regisseure Hans Weingartner (Spielfilm 303), sein österreichischer Kollege Stefan A. Lukacs (Spielfilm COPS) und der Schweizer Juri Steinhart (Spielfilm LASST DIE ALTEN STERBEN). Für internationale Atmosphäre sorgten auch Filmschaffende aus Georgien, Polen, Dänemark und Schweden.

Zu den Höhepunkten des Festivals zählte das stimmungsvolle Filmkonzert der georgischen Starpianistin Dudana Mazmanishvili, die den sowjetisch-georgischen Avantgarde-Stummfilm CHEMI BEBIA (Meine Großmutter) von 1929 am Flügel begleitete. „Dass auch viele georgische Programme in ausverkauften Kinosälen liefen, zeigt, dass es uns gelungen ist, unser Publikum auf die Filmkultur dieses faszinierenden Landes neugierig zu machen“, sagt der Künstlerische Leiter des FILMKUNSTFESTs MV, Volker Kufahl, der sich über die Anwesenheit des neuen georgischen Botschafters in Deutschland, Dr. Elguja Khokrishvili, freute.

 

Über die Beteiligung von vier politischen Stiftungen war das FILMKUNSTFEST MV überdies wieder eine Plattform für Diskussionen über aktuelle gesellschaftliche und politische Themen wie z.B. Nationalismus in Polen, Flucht und Integration in Europa. Mit dem Thema Flucht beschäftigten sich auch Beiträge im hochdotierten Kinder- und Jugendfilmwettbewerb des Festivals. Zusammen mit der achtköpfigen Jugendjury überreichte die Staatssekretärin Juliane Seifert, Bundesministerium für Familie, Senioren, Jugend und Frauen, den mit 7.500 Euro ausgestatteten LEO an Regisseurin Juliane Langhof für ihren Beitrag LOMO.

Für einige der 250 akkreditierten Gäste erwiesen sich die Angebote der zweitägigen Branchenkonferenz „Film & Medien“ als goldrichtig: Die ausgebuchte Locationtour zu Lande und auf dem Wasser zu ungewöhnlichen Orten in der Landeshauptstadt wurde vom Schweriner Oberbürgermeister Dr. Rico Badenschier begleitet und weckte bei den deutschen und ausländischen Produzenten und Filmemachern großes Interesse.

Die Diskussionsrunden in der IHK zu Schwerin zu den Trendthemen „Virtual und Augmented Reality“ sowie „Filmen mit Drohnen“ wurden von Teilnehmern als aufschlussreich und substanziell gelobt. Mit Henry Bauer, Unit Director der auf VR-Projekte spezialisierten Berliner Firma EXOZET, Christian Bahr der CEO HELHED Hamburg (360°Produktion „We are the north“), Tim Mittelstaedt vom „Applied Interactive Technologies-Lab“ der Nordmedia Niedersachsen/Bremen, Martje Friedrich, Producerin der Berliner Firma INVR.SPACE und Andreas Schroeder von der Schweriner Firma S.K.M.-Informatik waren hochkarätige Panelteilnehmer dabei, die verschiedene Ansätze bei der Realisierung von AR- und VR-Projekten verfolgen.

Bei der Diskussion zu den aktuellen rechtlichen Rahmenbedingungen der neuen Drohnenverordnung erhielten die Fachbesucher Aufklärung: „Aufnahmen, die mit einer Drohne gemacht wurden, lösen Emotionen aus. Deswegen ist es wichtig, dass Filmemacher weiterhin davon Gebrauch machen können“, betonte Achim Friedl, Mitglied des Vorstandes UAV D A CH e.V., Verband für unbemannte Luftfahrt. Matthias Pieper, Pilot und Gründer der auf Drohnenaufnahmen für internationale Film-produktionen spezialisierten Firma CDS Drones, Berlin, wandte sich dagegen, dass jede/r Drohnen erwerben und benutzen dürfe: „Mit Drohnen wird zu 90 Prozent Schindluder getrieben. Die 10 Prozent, die professionell mit Drohnen arbeiten und sich auch an Regeln halten, haben das Nach-sehen.“

Jan Klonowski, Produzent der RABAUKE Filmproduktion, Rostock, erläuterte die Schwierigkeiten, durch die Vielzahl beteiligter Behörden überhaupt Drehgenehmigungen für Drohnenaufnahmen zu erhalten. Christiane Raab, Leiterin der Film Commission beim Medienboard Berlin-Brandenburg, bilanzierte: „Wir versuchen, Projekte mit Drohnen durchzusetzen. Viele Behörden und Ämter sind auch sehr bemüht, trotzdem gibt es oft Missverständnisse und Schwierigkeiten.“

Für angereiste Produzenten war insbesondere die dritte Diskussion aufschlussreich, die sich an die Vorführung des georgisch-deutschen Dramas VOR DEM FRÜHLING anschloss und – moderiert von Bernd Buder, Programmdirektor des Filmfestivals Cottbus –, die Chancen und Risiken bei osteuropäischen Koproduktionen umkreiste. Die in dieser Hinsicht sehr erfahrenen Gäste waren VOR DEM FRÜHLING-Produzent Eike Goreczka von 42film aus Halle, dessen koproduzierter Spielfilm NANOUK den NDR-Regiepreis erhielt, der estnische Produzent Ivo Felt, ebenfalls mit mehreren Titeln im Festivalprogramm vertreten, Verleiher Torsten Frehse von NEUE VISIONEN, Berlin, und Britta Erich vom CREATIVE EUROPE DESK Hamburg.

Festival-Medienpartner NDR lud zusammen mit der Medienanstalt MV zum Empfang für Vertreter aus Filmwirtschaft, Kultur und Politik, u.a. mit NDR-Intendant Lutz Marmor, Medienanstalt-Direktor Bert Lingnau und ZDF-Landesstudio-Chef Bernd Mosebach.

Ministerpräsidentin Manuela Schwesig sprach zur Festivaleröffnung auch das Thema Filmförderung an. „Mein Ziel ist, Mecklenburg-Vorpommern mit seinen Vorzügen noch populärer zu machen in der Filmbranche. Einheimische Filmemacher müssen unterstützt werden, den Film-Nachwuchs wollen wir bei uns im Land halten. Deshalb wird die Filmförderung gerade neu organisiert. Das Land wird sich in Zukunft mehr einbringen. Wir können uns vorstellen, in eine gemeinsame Gesellschaft mit den jetzigen Akteuren einzutreten. Ziel ist es, Synergien zu schaffen und die Schlagkraft der Filmförderung zu erhöhen“, erklärte die Ministerpräsidentin.

Eine konkrete Maßnahme, den Filmstandort MV populärer zu machen, sei die Finanzierung einer Filmprofessur für Filmschauspiel an der Hochschule für Musik und Theater Rostock, die der renommierte Regisseur Andreas Dresen im Sommersemester 2018 antreten wird. 

Der Geschäftsführer der FILMLAND MV gGmbH, Volker Kufahl, sagte zu diesem Thema auf der Branchenkonferenz: „Wir hatten im letzten Jahr über 240 Drehtage in Mecklenburg-Vorpommern, die hier Ausgaben in Höhe von knapp 1,4 Mio. € generiert haben. Vor 4 Jahren waren es noch 100 Drehtage. Diese positive Entwicklung ist auch der guten Arbeit der FILM COMMISSION MV zu verdanken.“

Kufahl betonte ebenfalls, dass Mecklenburg-Vorpommern „eine einheitliche kulturwirtschaftliche Film- und Medienförderung“ brauche und dafür die „Rahmenbedingungen und Strukturen verbessert werden“ müssen. Er lud diejenigen Branchenvertreter, die 2016 ein gemeinsames Positionspapier zur Filmförderung erarbeitet hatten, ein, gemeinsam Lösungen für die noch ungeklärten Fragen zu suchen: „Wir können nicht erwarten, dass die Politik unseren Job macht“.