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FILMKUNSTFEST MV feiert 30. Jubiläum und den Neustart von Festival- und Kinokultur

Ulrich Tukur und seine Rhythmus Boys
Ulrich Tukur und seine Rhythmus Boys

Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig: "Kino gehört zu unserer Kultur"

Dank eines furiosen, mitreißenden Auftritts brachten Ulrich Tukur und seine Rhythmus Boys das Publikum der Eröffnungsfeier des 30. FILMKUNSTFESTs Mecklenburg-Vorpommern am Dienstagabend in Schwung. Der gewohnt humorvoll und geistreich durch den kurzweiligen Abend führende Moderator Knut Elstermann (radio1 beim rbb) fühlte sich durch die Swingmusik besonders motiviert und bat Tukur und seine Band, auch in Zukunft beim Auftakt des FILMKUNSTFESTS MV zu spielen.

Die Eröffnungsfeier als Fest der Sinne setzte nach mehr als einem Jahr Pandemie-bedingter Zwangspause des Schweriner Festivals „ein Zeichen der Zuversicht und der Hoffnung“, wie es die Ministerpräsidentin Mecklenburg-Vorpommerns, Manuela Schwesig, ausdrückte. In allen Ansprachen äußerten sich die Redner „erleichtert“ und „beglückt“ darüber, dass Filmerlebnisse im Kino wieder physisch möglich sind und das FILMKUNSTFEST MV nicht wieder abgesagt oder verschoben werden musste.

Der künstlerische Leiter des FILMKUNSTFESTs MV und Geschäftsführer der FILMLAND MV, Volker Kufahl, betonte, dass das Festival „nicht nur ein Fest des guten Films, sondern vor allem ein Fest des Kinos sein“ wird: „Ein Fest, das den sozialen und kulturellen Ort des Kinos feiert, diesen Ort des Ausgehens und des Miteinander-einen-Film-Schauens. Eine Gelegenheit zum Luxus, sich für die Dauer eines Films nur auf diesen zu konzentrieren, ohne abgelenkt, unterbrochen oder gestört zu werden. Eine Gelegenheit, sich mit anderen zu verabreden und hinterher das Gesehene Revue passieren zu lassen. Eine Gelegenheit, die Kunst des Films an dem Ort zu erleben, für den er gemacht wird – für die magische Leinwand in einem Kinosaal.“

Kufahl verwies auf darauf, dass die Pandemie „wichtige, existenzielle Fragen mit großer Dringlichkeit auf die Tagesordnung gesetzt hat. Die Frage nach der Bedeutung von Kultur in unserem Leben und in unserer Gesellschaft. Die Frage danach, was uns als soziale Wesen ausmacht. Schließlich die größte Frage von allen - die nach dem Überleben der Menschheit angesichts menschengemachter Katastrophen.“

Ministerpräsidentin Schwesig bedankte sich bei Volker Kufahl, dass es in Abstimmung mit den Behörden und der Landespolitik „gegenseitiges Vertrauen“ gab, dass die Voraussetzungen geschaffen werden, dass es mit der Jubiläumsausgabe des Festivals „klappt“.

Schwesig betonte, dass es der Landesregierung unter Federführung des Chefs der Staatskanzlei, Dr. Heiko Geue, gelungen sei, trotz der Pandemie mit allen Beteiligten „neue Strukturen“ für eine deutlich höhere und unter ökologischen Gesichtspunkten nachhaltige Filmförderung zu etablieren. Mit über fünf Millionen Euro Fördergeldern im Doppelhaushalt 2021/22 sei es möglich, die Entwicklung von Filmstoffen zu fördern, die die „regionale Identität Mecklenburg-Vorpommerns“ widerspiegelten. Frau Schwesig dankte auch den Kinobetreibern, dass sie in schwerer Zeit „durchgehalten haben“ und verwies auf die Unterstützungsmaßnahmen der Landesregierung wie den nochmals aufgestockten Kinokulturpreis, der diesmal im Rahmen des Festivals am Donnerstagabend verleihen wird.

Die Folgen der Pandemie waren auch Thema des Eröffnungsfilm „Gracious Night“ des finnischen Autorenfilmers Mika Kaurismäki, der vom Regisseur selbst, seinem Kameramann Jari Mutikainen und Stefan Paul vom Arsenal Filmverleih vorgestellt wurde, der den Film im Dezember in die deutschen Kinos bringen wird. Das Kammerspiel zeigt, wie trotz des Lockdowns in Helsinki drei Männer und eine Frau auf der Suche nach Geselligkeit und Aussprache in einer Bar zusammenfinden, und betont damit allegorisch die existentielle Bedeutung von Austausch und Zusammenhalt für die Menschen. Auch für den „ausgeprägten Hang zur Selbstironie“ und den speziellen, bisweilen „schwarzen Humor“ der Finnen, von dem die Botschafterin Finnlands in Deutschland, Anne Sipiläinnen in ihrer Begrüßungsrede sprach, ist Mika Kaurismäkis neuer Film ein gutes Beispiel. Anschließend feierten alle Premierengäste und deutsche Filmprominenz wie die Schauspieler Hanno Koffler, Bernd Michael Lade und Kollegin Lana Cooper im Festivaltreff über den Dächern der Stadt.

Auch am zweiten Tag des Festivals spielten die Folgen der Pandemie immer wieder eine Rolle – sei es, weil einige Filme sie offensiv thematisierten, sei es in Interviews und Gesprächen. Auch einer der Beiträge im Spielfilmwettbewerb, die charmant inszenierte Vater-Sohn-Geschichte PRIMAVERA DUEMILAVENTI (FRÜHLING 2020) der Regisseure Beniamino Brogi, Sandro Di Stefano und Ralf Noack, spielt wie Mika Kaurismäkis Film im Lockdown des Frühjahrs 2020. Das deutsch-italienische Filmteam freute sich über die Uraufführung in Schwerin und dass ihr Film dafür die große Leinwand und nicht den kleinen Streaming-Bildschirm fand. Auch im Filmgespräch zum TV-Film EISLAND, den der Medienpartner NDR als einen seiner Beiträge auf dem Festival präsentiert, erinnerten die Schauspieler Axel Prahl – der leider nicht persönlich anwesend sein konnte –, Jan Henrik Stahlberg (MUXMÄUSCHENSTILL) und Pheline Roggan (SEX & CRIME) an die Krise, die insbesondere die Kulturlandschaft hart getroffen habe und äußerten die Hoffnung, dass es zukünftig wieder ganz volle Kino-, Konzert- und Theatersäle gebe.

Am heutigen Donnerstag wird das 30. FILMKUNSTFEST MV für die Kinobranche mit der Branchenkonferenz „Kino & Festival“ in der IHK zu Schwerin und der Verleihung der Kinokulturpreise weitere Zeichen des Aufbruchs setzen.

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