Filmkunstfest MV
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Gastland Georgien

Das zwischen Europa und Asien, zwischen Schwarzem und Kaspischem Meer gelegene Georgien wird Gastland des 28. FILMKUNSTFESTs Mecklenburg Vorpommern.

„Wir möchten mit dem Schwerpunkt die reiche Tradition des Filmlands Georgien herausheben, die bis in die frühen Tage des sowjetischen Kinos zurückreicht und in den letzten Jahren eine neue Blüte erlebt. Die aktuellen Produktionen spiegeln die besondere geografische, gesellschaftspolitische und kulturelle Situation des Landes wieder, mit der wir uns auseinandersetzen möchten“, sagt der Künstlerische Leiter des Schweriner Festivals, Volker Kufahl, zur Wahl des Gastlandes, das er in diesem Jahr zweimal bereist hat.

Im September war Volker Kufahl Mitglied der international besetzten Dokumentarfilmjury beim 12. Inter­nationalen Arthouse Filmfestival (BIAFF) in Batumi am Schwarzen Meer, deren Vorsitz der 79-jährige Regisseur Alexander Rekhviashvili aus Georgien innehatte. Bei dieser Gelegenheit schloss Kufahl eine Kooperationsvereinbarung mit seinen georgischen Festivalkollegen Giorgi Gogiberidze und Zviad Eliziani.

Hauptbestandteil der Vereinbarung ist die Kooperation der beiden Festivals in Form eines filmkulturellen Austauschs zwischen Deutschland und Georgien. Beim 28. FILMKUNSTFEST MV im Mai 2018 sollen in Kooperation mit dem BIAFF aktuelle georgische Spielfilme, Dokumentationen und Kurzfilme aufgeführt und georgische Filmschaffende nach Schwerin eingeladen werden.

Georgien verfügt über eine reiche Filmtradition, an der zu Zeiten der UdSSR die Grusia-Film-Studios in der Hauptstadt Tiflis bedeutenden Anteil hatten. Seit einiger Zeit macht das Land auf internationalen Filmfestivals mit seiner Filmkultur wieder auf sich aufmerksam.

Georgien erlebte nach dem Zerfall der Sowjetunion, mehreren Bürgerkriegen und Wirtschaftskrisen schwere Zeiten. Dank tiefgreifender Reformen insbesondere im Verlauf der 2000er Jahre konnte sich das Land wirtschaftlich und kulturell erholen und entdeckt zunehmend den Tourismus für sich.

Langfilmprogramm

GEO/EST 2017, 89' | Regie: ZAZA URUSHADZE

Pater Giorgi, der in seinem früheren Leben Filmregisseur war, wird in eine kleine Gemeinde in einem Bergdorf geschickt. Um die Dorfbewohner für die Kirche zu begeistern, beginnt er in einem alten Lagerhaus Filme zu zeigen. Kurz nach der Vorführung von MANCHE MÖGEN´S HEISS lernt Giorgi auch die Dorfschönheit kennen, deren Ähnlichkeit mit Marilyn Monroe unverkennbar ist. Kann der Pater der Versuchung widerstehen? Eine warmherzige Tragikomödie über die Macht des Kinos, die an CINEMA PARADISO erinnert.

GEO/R/E/KRO 2016, 103' | Regie: RUSUDAN GLURJIDZE

Abchasien 1992: Zwei Familien haben den kurzen, aber verheerenden Krieg dort überlebt, der Georgier und Abchasen - eben noch gute Nachbarn - zu Gegnern werden ließ. Weil sie zu den Kriegsgewinnern zählen, dürfen sie in die verlassenen Häuser der Besiegten einziehen. Kann der idylllische Ort eine neue Heimat werden und die Wunden des Kriegs heilen? Ein bildstarkes, an die Filme von Bergman und Tarkovski erinnerndes Nachkriegsdrama. Großer Preis Osteuropa-Wettbewerb Karlsbad Filmfestival 2016.

GEO/KAT 2017, 97' | Regie: MARIAM KHATCHVANI

1992. In den entlegenen Dörfern Swanetiens leben die Menschen nach jahrhundertealten, strikten Regeln und Traditionen. Für die junge Dina bedeutet das, einem Kriegsheimkehrer als Ehefrau versprochen zu werden, obwohl sie heimlich Gefühle für dessen Kameraden entwickelt. Dina will sich dem Willen ihres Großvaters nicht beugen, aber damit beschwört sie Konflikte herauf, die nicht nur sie selbst in Bedrängnis bringen. Ein bildgewaltiges Werk basierend auf Ereignissen aus dem Leben der Großmutter der Regisseurin.

GEO/EST 2017, 107' | Regie: ANA URUSHADZE

Die 50-jährige Hausfrau Manana steckt in einem Dilemma. Sie muss sich entscheiden, ob sie so wie bisher ihr Lebens als Hausfrau und Mutter weiterführen will oder ob sie endlich ihrer wahren Leidenschaft, dem Schreiben, nachgehen soll. Diese Passion hat sie jahrelang unterdrückt, und sie beschliesst, ihr jetzt zu folgen, was für sie psychische und physische Herausforderungen mit sich bringt. Dieses intensives Portrait einer Frau zwischen Genie und Wahnsinn war ein weltweiter Festivalerfolg und der georgische Kandidat für den Auslands-'Oscar' 2017.

MEINE GLÜCKLICHE FAMILIE

D/GEO 2017, 89' | Regie: NANA EKVTIMISHVILI, SIMON GROSS

Am Abend ihres 52. Geburtstags verkündet Manana ihrer überraschten Familie, dass sie Raum für sich benötigt und daher ausziehen wird. Nach 30 Jahren Ehe will sie die gemeinsame Drei-Zimmer-Wohnung, in der sie zusammen mit ihrem Mann, ihren Eltern und ihren zwei erwachsenen Kindern samt einem Schwiegersohn in Tbilisi lebt, verlassen. Zunächst nimmt die Familie Mananas Entscheidung nicht ernst. Doch dann packt sie tatsächlich ihre Koffer. Berlinale 2017, Beste Regie Sofia International Film Festival 2017.

VOR DEM FRÜHLING

GEO 2017, 97' | Regie: GEORGE OVASHVILI

Der Präsident, einst Volksheld und Befreier seines Landes, wird entmachtet und flüchtet in die Gebirgsregion seiner Heimat. In der Hoffnung, auf Unterstützer zu treffen und die Macht wiederzuergreifen, durchquert er mit einigen loyalen Anhängern schneebedeckte Berge, unwegsame Pässe und reißende Ströme. Die Gruppe wechselt die Verstecke, doch unsichtbare Verfolger scheinen immer näher zu kommen. Eine in dichten Bilderströmen erzählte, poetische Parabel über die Erlangung und den Verlust von Macht.

CHANT D'HIVER - WINTERLIED

F/GEO 201, 117' | Regie: OTAR IOSSELIANI

In seinem Film erzählt Otar Iosseliani in seiner unnachahmlichen Weise, leichtfüßig und melancholisch zugleich, von der Französischen Revolution und der Räumung von Flüchtlingslagern im gegenwärtigen Europa, Clochards und Waffenhändlern in Paris, Krieg und Freundschaft, und wie alles zusammenhängt.  Ein kraftvolles Alterswerk von beeindruckender Frische und großer ästhetischer Freiheit, in dem der Schauspieler Pierre Étaix (1928-2016) seinen letzten Leinwandauftritt hat. (www.arsenal-berlin.de)

UdSSR/GEO 1930, 62' | Regie: MICHAIL KALATOSOW

Dieser russische Stummfilmklassiker beschreibt das Leben der Bergbewohner von Oberswanetien, einer damals mit Ausnahme der kurzen schneefreien Zeit isolierten Region in 2.000 Metern Höhe. Die Bewohner eines armen Dorfs, die noch in Türmen aus der Feudalzeit wohnen, sind gezwungen, das Salz auf dem Rücken in die Berge hinauf zu tragen, über Gletscher und schwer zugängliche Bergpässe hinweg. Bilder von großer Schönheit kontrastieren mit den schwierigen Lebensbedingungen der Bewohner. (www.arsenal-berlin.de)

DDR 1987, 106' | Regie: JÜRGEN BÖTTCHER

1987 bereist der Filmemacher Jürgen Böttcher zusammen mit seinem Kameramann Thomas Plenert und Tonmann Eberhard Pfaff Georgien. Stationen der Reise sind Mzcheta, Tiblissi, Kachetien, Batumi, Mestia und das Kaukasusdorf Uschguli. IN GEORGIEN ist Böttchers erste im Ausland entstandene Arbeit und bedeutete für ihn die Verwirklichung eines lang gehegten Traums. Mit minimaler Vorbeitung entstand ein sehr persönlicher Film, eine sinnliche Annäherung an den Charakter des georgischen Volkes.

UdSSR/GEO 1969, 85' | Regie: GIORGI SCHENGELAIA

Der Film erzählt die Lebensgeschichte des georgisches Malers Pirosmani, dessen Naive Kunst erst nach seinem Tod gewürdigt wurde. Der Autodidakt versucht sich in verschiedenen Berufen, bis er schließlich Gebrauchs- und Wandermaler wird, der seine Bilder gegen Essen oder einen Schlafplatz tauscht. Die Struktur, aber auch die Ästhetik des Films entwickelte Regisseur Schengelaja aus den Bildern und der Ästhetik Pirosmanis und schuf somit einen Klassiker des georgischen Kinos. (www.arsenal-berlin)

Kurzfilmprogramm

GEO 2017, 12' | Regie: TINA MAKHARADZE

Ein Raum. Die Fliegen summen. Zwei Kinder lachen. Und dann liegt dort ein toter Mann im Sarg und eine junge Frau weint um ihn. Die Kinder lachen immer noch. Und dann stellt sich heraus, dass doch alles ganz anders ist.

GUEST

GEO/F 2016,17' | Regie: NINO SHABURISHVILI

Der 10-jährige Andro lebt in einem Dorf an der georgischen Schwarzmeerküste. In der Ferienzeit im Sommer verkauft er gekochte Maiskolben am Strand, um seine Familie zu unterstützen. Als ein französisches Paar mit einem Kind zum Urlaub in das Dorf kommt, knüpft es schnell Freundschaft mit dem Jungen. Als er von der Familie zum Abendessen eingeladen wird, erlebt er, das diese ein ganz anderes Leben als er führt.

D 2017, 11' | Regie: YANA UGREKHELIDZE

Ein Animationsfilm über ein Mädchen, welches den Schrecken des Krieges und Tod seiner Eltern auf ihre Weise versucht zu verarbeiten. Es ist eine Geschichte über eine verlorene Kindheit, Erinnerungen und Erwachsen werden. Der mit der sogenannten Cut-Out-Technik gemachte Film wurde bei den 63. Internationalen Kurzfilmtagen Oberhausen uraufgeführt.

GEO 2016, 16' | Regie: VLADIMER SULAKVELIDZE

Als sich eine Katze durchs Fenster in ihre Altbauwohnung schleicht, erinnert sich eine alte Frau an ihr Leben. Fragmente ihrer Kindheit und Jugend tauchen in ihrem Gedächtnis wieder auf, der Mann den sie liebte, und immer wieder ein Flugdrachen, der durch die Luft fliegt und sie bis zum Ende begleitet. Ein wunderschön gestalteter Animationsfilms über Leben und Sterben und die russisch-georgische Geschichte.

F/CH/GEO 2016, 7' | Regie: ANA CHUBINIDZE

Ein kleiner Mann lebt in einem alten Koffer auf einer von vielen Fußgängern frequentierten Straße. Mit einem Strohhalm musiziert er. Eines Tages hilft er einem blinden, älteren Mann, der gestürzt ist, wieder auf. Der Beginn einer neuen Freundschaft: Als der kleine Mann durch starke Regenfälle sein Hab und Gut verliert, findet er in der Hemdtasche des blinden Mann ein neues Zuhause. Mit seiner Musik leitet er seinen neuen Freund durch die Straßen.

GEO/EST 2014, 12' | Regie: MARIAM KANDELAKI

Ein junger Mann erschießt eine gehörnte Ziege. Somit ist die Sünde begangen, und Gottes Strafe ist, dass er auf einen Leoparden trifft. Beide kommen beim Kampf gegeneinander um. Die Mutter des jungen Mannes trauert um ihr Kind und beschließt, auch der Mutter des Leoparden ihr Beileid auszudrücken. Animationsverfilmung einer Volksdichtung mit der Stimme des bekannten georgischen Theaterschauspielers Ushangi Chkheidze (1898-1953).

GEO 2017, 11' | Regie: VAJIKO CHACHKHIANI

Ein Mann läßt mit einem Kran eine Statue aus einem großen See ziehen. Die Statue im Stil des sozialistischen Realismus hat eine gewisse Ähnlichkeit mit ihm. Mit der an seinem Jeep angeketteten Statue und dem Hund auf dem Beifahrerplatz fährt er durch ländliche Regionen bis in eine größere Stadt. Vajiko Chachkhiani sieht seinen Film als Metapher für die "Befreiung des Individuum von seiner eigenen Geschichte."

NO PAL

GEO 1993, 29' | Regie: GIO MGELADZE

Levan lebt in den Tag hinein: er bringt das Nachbarsmädchen Nutsa in die Schule, macht kleinere Besorgungen und trifft sich mit Freunden. Als er sich mit seinem Freund Gio trifft, gerät er in eine Schießerei. Während der Dreharbeiten meldete sich Hauptdarsteller Levan Abashidze freiwillig, um im Georgisch-Abchasischen Krieg zum kämpfen und starb bei den Kriegshandlungen. Um den Film fertigzustellen, wurden einige Szenen mit subjektiver Kameraeinstellung, ohne den Hauptdarsteller, hinzugefügt. 

Im September 2017 schloss Festivalleiter Volker Kufahl eine Kooperationsvereinbarung mit seinen georgischen Festivalkollegen Giorgi Gogiberidze und Zviad Eliziani vom Internationalen Arthouse Filmfestival (BIAFF) in Batumi am Schwarzen Meer. Hauptbestandteil der Vereinbarung ist die Kooperation der beiden Festivals in Form eines filmkulturellen Austauschs zwischen Deutschland und Georgien. Die BIAFF-Festivaldirektoren haben ein Kurzfilmprogramm für das Schweriner Publikum zusammengestellt.

BATHING OF THE RED HORSE, Giorgi Gogiberidze, Georgien, 2016, 11 min.

LETHE, Dea Kulumbegashvili, Georgien, 2016; 15 min.

8 MINUTES, Giorgi Gogichaishvili, Georgien, 2017; 13 Min.

ANA, Margo Subaschwili, Georgien, 2017; 30 Min.

THREE STEPS, Soso Bliadze, Georgien, 2017; 19 Min.