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Aktuelles: | SCHULKINOWOCHE MV

Dokumentarfilme und soziale Dramen auf der SchulKinoWoche MV lieferten Gesprächsstoff

Rege Anteilnahme oder stumme Erduldung - je nach Zusammensetzung der Schulgruppen und der Nähe zum aktuellen Unterrichtsstoff fielen die Reaktionen der Schüler/innen auf den Veranstaltungen aus, die nach einigen Vorführungen direkt in den Kinosälen abgehalten wurden

Rege Anteilnahme oder stumme Erduldung - je nach Zusammensetzung der Schulgruppen und der Nähe zum aktuellen Unterrichtsstoff fielen die Reaktionen der Schüler/innen auf den Veranstaltungen aus, die nach einigen Vorführungen direkt in den Kinosälen abgehalten wurden. Manchmal verliefen die Diskussionen recht zäh, weil das Thema im Unterricht noch nicht behandelt wurde oder die anwesenden Schüler/innen auch persönlich (noch) nicht zu fesseln vermochte. Manchmal aber kamen sehr intensive Fragerunden in Gang.

Mehrere Medienpädagogen sowie eingeladene Fachleute hielten insgesamt fünfzehn Filmgespräche in verschiedenen Kinos des Landes ab, bei denen die Themen von Filmen wie "Wir sind jung. Wir sind stark" (Intoleranz, rechte Gewalt), "10 Milliarden - wie werden wir alle satt" (Massentierhaltung, industrielle Landwirtschaft), "Deine Schönheit ist nichts wert" (Migration) oder "Stella" (Essstörungen) vertieft wurden. In Windeseile verwandelte sich dann der Kinosaal ins Klassenzimmer, und dank des professionellen Einsatzes von so erfahrenen Medienpädagogen wie Stefan Koeck, Eva-Maria Schneider-Reuter oder Marguerite Seidel wurden das Publikum dazu angeleitet, sich eigene Überlegungen zu dem zuvor Gezeigten zu machen, auch wenn der Bewegungsdrang nach Filmen mit Überlänge teilweise groß war.

Vor allem der ehemalige Ausländerbeauftragte Rostocks, Dr. Wolfgang Richter, hatte die schwierige Aufgabe, zwei große Schulgruppen nach über zwei Stunden und zehn Minuten Film ("Wir sind jung. Wir sind stark") noch zu einer Reflexion über die filmische Darbietung der Krawalle des Sommers 1992 gegen ein Asylantenheim in Rostock zu motivieren. Dr. Richter gelang es sehr gut - schließlich kommt es nicht alle Tage vor, einen Augenzeugen, der die damaligen Vorfälle unter Lebensgefahr miterlebt hat, sprechen zu können.

Auch der Produzent des Dokumentarfilms "10 Milliarden - wie werden wir alle satt", Jürgen Kleinig, schaffte es, ein zurückhaltendes, junges Hauptstadtpublikum plus Referendare zu einigen Nachfragen zu motivieren, indem er über die Hintergründe bei den jahrelangen Recherchen und Dreharbeiten zu dem Film berichtete. Dass "10 Milliarden" angesichts des just in der SchulKinoWoche MV von der Weltgesundheitsorganisation publizierten Studie über die Krebsgefahr bei zu viel Verzehr von "rotem Fleisch" zur rechten Zeit kam, wurde bei den Vorführungen in Greifswald und Stralsund deutlicher. Dort gab es jeweils viele Nachfragen von Schüler/innen und Lehrer/innen zu bestimmten Informationen des Films. Auch wurden die beiden eingeladenen Expertinnen zu ihren Meinungen zum Film im Allgemeinen und bestimmten Lösungsvorschlägen für Ernährungsfragen, die der Film präsentiert, befragt.

In Greifswald war der Kinosaal mit mehr als 140 Schüler/innen verschiedener Schulen proppenvoll. Frau Prof. Dr. Susanne Stoll-Kleemann, Leiterin des Lehrstuhls für Angewandte Geographie und Nachhaltigkeits-wissenschaft von der Universität Greifswald beantwortete Fragen nach den Vorteilen der von ihr favorisierten, vegetarischen Lebensweise, den progressiven Ökoprojekten, die in Mecklenburg-Vorpommern stattfinden und den Problemen, dafür zu werben und mehr Konsumenten zu überzeugen. Trotz schlechter Luftverhältnisse im Saal wurden mehr als 30 Minuten lang an Frau Stoll-Kleemann Fragen gestellt.

Frau Prof. Silke Hüttel, Professorin für Agrarökonomie der Agrar- und Umweltwissenschaftlichen Fakultät an der Universität Rostock, stand im Kino in Stralsund einer kleineren Zuschauergruppe gegenüber (ca. 35 Personen einer einzigen Klasse), was dazu führte, dass die Schüler/innen sich trauten, persönlichere Fragen zu stellen und unbefangen aus ihrem Alltag (Studienarbeiten zum Thema Genforschung, Kellner- und Küchenjobs) zu berichten. Eine neuerliche Abfrage des Moderators machte deutlich, dass mehr bekennende Vegetarier im Saal saßen bzw. das Thema gesündere Ernährung bei diesem Publikum eine deutlich größere Rolle spielte als in Schwerin und Greifswald. Dass Frau Hüttel eine kritische Haltung gegenüber den Lösungsansätzen des Dokumentarfilms einnahm und die konventionelle Landwirtschaft nicht per se verurteilte, ließ zusätzliche Fragen in Bezug auf die Situation in Mecklenburg-Vorpommern aufkommen. Schnell entwickelte sich eine Diskussion über die ökonomische Situation und die gesetzlichen Rahmenbedingungen der hiesigen Landwirte sowie über regionale Projekte der Solidarischen Landwirtschaft. Wie schon in Greifswald wurde auch mit der Rostocker Professorin über die teils widersinnigen Tierschutzgesetze und Agrarsubventionen gesprochen.

Beide Expertengespräche lösten sich nach einer Weile vom Film und gingen in eine grundsätzlichere Richtung - nämlich welche Einflussmöglichkeiten der oder die Einzelne durch sein Konsum- und Ernährungsverhalten hat, um die Macht der Lebensmittelindustrie zu begrenzen und regionale Landwirte zu stärken. In der Kürze der Zeit hatten die Schüler/innen auch nach dem Film noch etwas gelernt. Und waren ermuntert, Schulprojekte zum Thema Nachhaltigkeit und Umweltschutz anzugehen.