Die Preise des 25. filmkunstfests sind vergeben – Breites Spektrum an Preisträgern

11. Mai 2015 | Kategorie: Aktuelles

Die Hauptpreise des Spielfilmwettbewerbs gehen in die Schweiz:

Der „Fliegende Ochse“, gestiftet vom Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur des Landes Mecklenburg-Vorpommern, dotiert mit 10.000 Euro, erhält der Spielfilm

DER GOALIE BIN IG (Regie: Sabine Boss, Produzenten: Michael Steiger, Anita Wasser)

Begründung der Spielfilmjury:
Eine Reise zurück, in die späten 80er. An den Stadtrand von Bern. In einen Winter, der keiner ist. Ein Ex-Knacki, den die Vergangenheit einholt. Eine Geschichte über Freundschaft und Verrat. Ein im besten Sinn altmodischer Film, eine klug und emotional erzählte Geschichte, die uns eine Schweiz zeigt, wie wir sie sonst nicht kennen. Marcus Signer verleiht dieser Figur eine Würde, die uns zu Herzen geht und restlos überzeugt.

Der NDR-Regiepreis, gestiftet vom Norddeutschen Rundfunk NDR, dotiert mit 5.000 Euro, erhält Karim Patwa für die Regie des schweizerischen Wettbewerbsbeitrags

DRIFTEN

Begründung der Spielfilmjury:
Auge um Auge, Zahn um Zahn? Verfehlung, Verurteilung – Vergebung? Moralische Schuld – juristische Buße – Erlösung?
Der sinnlose Tod eines Kindes und der Kampf um diese Fragen wird zwei Menschen für immer verbinden. Ein gestalterisch überzeugender Film mit 2 Hauptdarstellern, die uns an ihrer Suche nach Akzeptanz einer Schuld mit auf eine bewegende Reise nehmen.

Den Preis für die beste darstellerische Leistung gestiftet von Sky Deutschland, dotiert mit 3.500 Euro, erhält

Alice Dwyer für ihre Rolle in dem österreichischen Spielfilm MA FOLIE

Begründung der Spielfilmjury:
Alices Darstellung der Figur Johanna hat uns alle in den Bann gezogen. Über ihr Gesicht und ihre Emotionen wurde die gesamte Geschichte des Genrefilms ‚Ma Folie‘ erzählt. Alice hat die Chance genutzt, die Gefühlsreise von Liebe, Glück und Hoffnung zu Verlust, Enttäuschung und Verwirrung anzutreten. Die Gefangenschaft durch Selbstzweifel, Paranoia und Angst, in der sich Alices Figur Johanna am Ende des Films wieder findet, wurde auch zu unserer. Durch den Blick in ihre Augen versteht man die Situation einer Co-Abhängigkeit mit einer narzisstischen Persönlichkeit und erlebt sie mit. Eine famose Schauspielerleistung.

Den Förderpreis der DEFA-Stiftung, dotiert mit 4.000 Euro, erhält

Andreas Pieper, Regisseur und Autor des Films NACHSPIELZEIT

Begründung der Spielfilmjury:
Der Film wendet sich engagiert sozialen Problemen in Berlin-Neukölln zu. Er vermeidet gängige Vereinfachungen und macht deutlich, dass das Konfliktfeld sich nicht in erster Linie aufbaut zwischen Deutschen und Menschen mit ausländischen Wurzeln, sondern begründet liegt in den Besitzverhältnissen. Da sind diejenigen, welche Geld und Einfluss haben und im Hintergrund bleiben und jene, welche von der Gesellschaft an den Rand gedrängt werden. Das kann Deutsche ebenso treffen, wie jeden anderen bei uns lebenden Mitbürger.

Der Preis für die beste Musik- und Tongestaltung, gestiftet von Studio Mitte Filmpostproduktion mit Unterstützung von Steinberg Media Technologies GmbH, ein Unternehmen der Yamaha Gruppe (Sachleistungen im Wert von 4.000 Euro) erhält der deutschen Wettbewerbsbeitrag

SCHMITKE  (Regie: Štepán Altrichter)

Tondesign: Christoph de la Chevallerie, Katharina Grischkowski, Musik: Johannes Repka  

Begründung der Spielfilmjury: Das mysteriöse Rumoren aus dem Wald. Das verwundete Ächzen des altersschwachen Windrades. Der atmosphärische Sound und die besondere Musikgestaltung ziehen die Zuschauer von der ersten Sekunde an hinein in eine geheimnisvolle Parallelwelt, mit der sich Protagonist Schmitke zunehmend konfrontiert sieht.

Den Nachwuchsdarstellerpreis der Stadtwerke Schwerin, dotiert mit 2.500 Euro, erhält Jana McKinnon (16) für ihre Rolle in dem österreichischem Wettbewerbsbeitrag BEAUTIFUL GIRL (Regie: Dominik Hartl)

Begründung von Volker Kufahl, künstlerischer Leiter des filmkunstfests Mecklenburg-Vorpommern und Geschäftsführer der FilmLand MV gGmbH:

In Dominik Hartls großartiger Romanadaption BEAUTIFUL GIRL spielt Jana McKinnon die Titelrolle, die 15jährige Charly. Der Film erzählt von den emotionalen Turbulenzen, in die das Scheitern der elterlichen Beziehung und das Erleben der eigenen ersten Liebe die Hauptfigur Charly stürzen. Unterstützt von einer guten Schauspielerführung und der überzeugenden Besetzung auch der anderen Rollen, gelingt es Jana McKinnon glaubhaft und sehr berührend, zwischen jugendlicher Unbekümmertheit, dem Bemühen um Coolness und der schmerzhaften Erkenntnis, dass auch große Gefühle flüchtig sein können, einen wahrhaftigen Ton zu treffen. Wie man jemandem einfühlsam sagt, dass man ihn gern hat, aber einen anderen liebt, das kann man sich bei Jana McKinnon abschauen. Und auch, wie man sich aus Versehen einen Fußball gegen den eigenen Kopf schießt und trotzdem Haltung bewahrt. Jana Mc Kinnon spielt nicht, sie IST in vielerlei Hinsicht das BEAUTIFUL GIRL.

Der LEO-Kinder und Jugendpreis, dotiert mit 7500 Euro, gestiftet vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, erhält der Wettbewerbsbeitrag

ABOUT A GIRL  Regie: Mark Monheim

Begründung der Jugendjury:
Die Filme der Kinder – und Jugendreihe beim diesjährigen Filmkunstfest MV waren in ihrer je eigenen Weise spannend, berührend, lustig und einzigartig. Letztendlich mussten wir uns als Jury aber für einen Film entscheiden, der nun vom Bundesministerium für Familien, Senioren, Frauen und Jugend den mit 7.500 Euro dotierten Kinder- und Jugendfilmpreis Leo überreicht bekommt. Der Film ABOUT A GIRL von Mark Monheim mit Jasna Fritzi Bauer in der Hauptrolle, bringt eine große thematische Spannbreite des Erwachsenwerdens auf die Leinwand: Scheidung der Eltern, Tod, nervige Schule, der eigene Platz im Leben und die erste Liebe. Die Probleme der 15jährigen Charleen und ihr Umgang mit diesen Herausforderungen werden witzig aber auch ernst rüber gebracht, sind gepaart mit schwarzem Humor und tiefen Emotionen. Die inzwischen 25-jährige Jasna Fritzi Bauer stellt hier die 15-jährige verunglückte Selbstmörderin auf dem Weg zurück ins Leben überzeugend dar. Sie wird dabei getragen von einer fabelhaften Filmfamilie, Freunden und einem skurrilem Psychiater. Uns als Kinder- und Jugendjury hat dieser Film überzeugt und wir empfehlen ihn gern weiter.

Den Publikumspreis, gestiftet von der Schweriner Volkszeitung, dotiert mit 2.500 Euro, erhält der deutsche Wettbewerbsbeitrag

TAXI  Regie: Kerstin Ahlrichs

TAXI hat mit 224 abgegebenen Stimmkarten (in verschiedenen Vorführungen) 4,4018 Gesamtdurchschnittspunkte errungen und liegt damit knapp auf Platz 1 vor dem Wettbewerbsbeitrag NACHSPIELZEIT, der bei 95 abgegeben Karten 4,3684 Gesamtdurchschnittspunkte errang. Dicht dahinter auf Platz 3 liegt der österreichische Wettbewerbsbeitrag MA FOLIE mit 148 gültigen abgegebenen Stimmkarten und einem Gesamtdurchschnittswert von 4,3446.

Den Preis der deutschsprachigen Filmkritik in der FIPRESCI (undotiert) erhält der deutsche Wettbewerbsbeitrag

SCHMITKE  Regie: Štepán Altrichter

Begründung der FIPRESCI-Jury: Ein aus der Zeit gefallener Ingenieur verliert sich in sich selbst und in einer mysteriösen Landschaft, in die wir mit hineingezogen werden und selbst die Orientierung verlieren. Auf subtile Weise löst der Film Zeit und Raum auf, begleitet von märchenhaften Bildern, pointierten Schnitten und einer suggestiven Tonspur.

Den Preis für den Besten Dokumentarfilm im Wettbewerb, gestiftet von der Sparkasse Mecklenburg-Schwerin, dotiert mit 5.000 Euro, erhält der deutsche Beitrag

CINEMA: A PUBLIC AFFAIR  Regie: Tatiana Brandrup

Begründung der Dokumentarfilmjury:
Diese dokumentarische Collage, in der Ausschnitte aus Kinoklassikern und Interviews mit der aktuellen Moskauer Realität montiert werden, liefert ein überzeugendes Bekenntnis zur Freiheit und Freiheit der Kunst. CINEMA: A PUBLIC AFFAIR von Tatjana Brandrup ist eine filmische Reise in die Welt von Naum Kleiman, dem ehemaligen Direktor des Moskauer Filmmuseums, und seinen Mitarbeitern. Sie kämpfen für das Kino als Forum für den freien Gedankenaustausch, das den Weg zu persönlicher Entfaltung und zu einer offeneren Gesellschaft ebnen kann – eine brisante Vision angesichts der aktuellen politischen Situation Russlands.

Den Preis für den Besten Kurzfilm im Wettbewerb, gestiftet von der Landeshauptstadt Schwerin, dotiert mit 4.000 Euro, erhalten
„ex aequo“ (à 2.000 Euro):

HOCHBRÜCKE BRUNSBÜTTEL (Deutschland, Regie: Karsten Wiesel) und DISCIPLINE (Schweiz, Regie: Christophe Saber).

Begründung der Kurzfilmjury:
DISCIPLINE: Aus einem kleinen, alltäglichen Konflikt in einem Supermarkt entwickelt der Film nach und nach ein Feuerwerk, das nicht nur ungemein Spaß macht beim Zuschauen, sondern auch erfrischend undiplomatisch daherkommt. Nach diesem Film versteht man ein kleines bisschen besser, warum das menschliche Zusammenleben auf diesem Planeten so kompliziert ist.

HOCHBRÜCKE BRUNSBÜTTEL: Der forschende, ungemein präzise Blick der Kamera auf eine Autobahnbrücke wird kombiniert mit einer Tonebene, die ausschließlich aus vorgefundenen Geräuschen eine eigene Welt, eine eigene Dramaturgie erschafft. So wird ein unspektakulärer Ingenieursbau, wie man ihn an vielen Stellen Deutschlands in der Landschaft stehen sieht, zu einem Wesen, das direkt körperlich erlebbar wird.
Die Gewinner der Kurzfilmnacht sind gemäß Publikumsabstimmung:

  1. Not Anymore: A Story of Revolution – Regie: Matthew VanDyke (227 Stimmen)
  2. Slapkick – Regie: Chon-Dat Nguyen (92 Stimmen)
  3. Eene – Regie: Freya Glomb (84 Stimmen)

Der Ehrenpreis des 25. filmkunstfests Mecklenburg-Vorpommern, der „Goldene Ochse“, für den Drehbuchautoren
Wolfgang Kohlhaase